Kaum ein Feld der Rennradtechnik hat sich seit Mitte der 2010er-Jahre so gedreht wie unser Verständnis von Rollwiderstand. Zwei alte Gewissheiten – schmal sei schnell, mehr Druck sei besser – wurden durch Feld- und Labordaten gründlich widerlegt. Und eine lange unterschätzte Komponente rückt dabei ins Zentrum: der Schlauch im Mantel.
Bei Tubolito beschäftigen wir uns täglich mit genau dieser Komponente. Zeit, einmal aufzuräumen, was Rollwiderstand wirklich beeinflusst – und was nicht.
Rollwiderstand entsteht vor allem aus Hysterese – die Karkasse verformt sich bei jeder Umdrehung und dissipiert dabei Energie. Aus diesem Prinzip zog man lange die falschen Schlüsse.
Erstens die Breite: Breitere Reifen bilden bei gleichem Druck eine kürzere, rundere Aufstandsfläche. Sie verformen sich weniger und rollen bis zu einem gewissen Punkt leichter, nicht schwerer. Genau deshalb wurde 28 mm zum neuen Straßenstandard – mit klarem Trend zu 30 und sogar 32 mm.
Zweitens der Druck: Feldmessungen zeigen einen sogenannten Breakpoint Pressure. Oberhalb dieses Punkts sinkt der Rollwiderstand nicht weiter, sondern steigt wieder an – weil ein zu harter Reifen Fahrbahnrauigkeiten nicht mehr schluckt und die Energie stattdessen in Vibration verliert (Impedance). Auf grobem Asphalt kostet das schnell über 20 Watt.
Die Regel, die sich daraus ableiten lässt: Lieber etwas zu niedrig als zu hoch. Druckrechner treffen das Optimum mit dem echten Systemgewicht deutlich besser als jede Faustzahl.
Bei Drahtreifen sitzt zwischen Karkasse und Luft ein Schlauch. Und der ist alles andere als ein passives Bauteil: Er verformt sich mit, reibt am Mantel und addiert eigene Verluste zum Gesamtrollwiderstand.
Die Rangfolge ist eindeutig:
Wer den Montageaufwand von Tubeless scheut oder keine Lust auf Dichtmilch-Ärger bei längeren Standzeiten hat und deshalb bei einem Schlauch-Setup bleibt, holt sich mit dem Wechsel von Butyl auf TPU die günstigsten Watt pro Euro im gesamten Setup.
Der errechnete Optimaldruck nützt nur etwas, wenn man ihn auch hält – und genau das ist tückisch: Schläuche verlieren über Zeit Luft, Temperaturschwankungen verschieben den Druck, und schleichende Pannen bleiben oft unbemerkt.
Der Tubo-Road SYNCD ist unser TPU-Rennradschlauch mit integriertem Bluetooth-Drucksensor. Er überträgt Druck und Temperatur in Echtzeit an App oder Garmin Edge und warnt bei Grenzüberschreitung oder Druckverlust. Passend für 23–35-mm-Reifen, bei rund 44–46 g Gewicht und einem Preis von 39,95 €. Die Batterie hält bis zu etwa 10.000 km bzw. zwei Jahre, danach greift unser Austauschprogramm.
Nüchtern eingeordnet: Die Watt holt der TPU-Schlauch selbst. Der Sensor sorgt dafür, dass man dauerhaft am Breakpoint bleibt – ein Kontrollwerkzeug, kein Geschwindigkeitswunder.
Weg von „schmal und hart“, hin zu „so breit und weich, wie Untergrund und Rahmen es zulassen“ – mit dem Schlauch als ernstzunehmender Stellschraube. Das Ergebnis: mehr Tempo, mehr Komfort und weniger Pannen – gleichzeitig.
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